Wusstest du eigentlich, dass viele Unternehmer im Urlaub erst recht krank werden, massiven Stress mit der Familie haben und schlicht und einfach nicht abschalten können?
Wer Unternehmer ist, kennt das Phänomen. Doch warum ist das so?
Nach über 35 Jahren Selbstständigkeit kann ich dir sagen: Ich kenne diesen Zustand in- und auswendig. Lange Zeit war das bei mir genau dasselbe. Man schleppt sich von einem Projekt zum nächsten, freut sich das ganze Jahr auf diese zwei bis drei Wochen Auszeit – und wenn man dann endlich da ist, holt einen die Realität mit voller Wucht ein.
Die Anatomie des Handwerker-Urlaubs: Ein Teufelskreis
In der Regel beschäftigen Handwerksbetriebe in Deutschland drei bis sechs Mitarbeiter, manche auch mehr.
Doch eines ist fast immer gleich: Der Chef arbeitet selbst und ständig. Fällt er aus, bleibt der Laden liegen. Eine Assistenz, wie man sie aus größeren Unternehmen kennt, oder zumindest einen guten, entlastenden Stellvertreter sucht man vergebens. Wenn dann im Tagesgeschäft auch noch körperlich voll mitgearbeitet wird, landet man nicht selten in einer harten Sieben-Tage-Arbeitswoche.
Das führt zu einer absurden Dynamik vor der Abreise und nach dem Wiederkommen:
- Die Vor-Hölle: Vor dem Urlaub muss erst einmal so viel vorgearbeitet werden, dass der Betrieb während der Schließzeit nicht im Chaos versinkt oder gar in die Insolvenz schlingert.
- Die Nach-Hölle: Nach dem Urlaub wartet genau dasselbe Bild. Alles, was in der Zwischenzeit liegen geblieben ist, türmt sich auf dem Schreibtisch.
Ein Teufelskreis, der sich unweigerlich auf die Stimmung auswirkt, weil der Kopf im Liegestuhl eben doch permanent in der Werkstatt oder auf der Baustelle hängt.
Wenn die Kasse drückt und das Handy vibriert
Hinzu kommt ein massives finanzielles Thema: die Liquidität. Anders als es nach außen oft scheint, arbeiten viele Handwerksbetriebe gar nicht so ertragreich, dass sie solide Rücklagen für schwierige Zeiten bilden könnten. Es reicht für ein mehr oder weniger gutes Leben und den ersehnten Urlaubsort – aber eben oft nicht für viel mehr.
Zwei bis drei Wochen geschlossener Betrieb bedeuten aber auch: Es kommt kein Cent rein, während die Fixkosten gnadenlos weiterlaufen. Das schürt pure Existenzangst und verhindert jedes echte Herunterfahren.
Und anstatt das zu realisieren und grundlegend etwas zu ändern, macht man den nächsten klassischen Fehler: Man entsperrt das Smartphone, öffnet das E-Mail-Programm und wartet – ja, man sehnt es fast schon herbei – auf die Katastrophe.
- Ein Kunde beschwert sich oder zahlt mal wieder nicht.
- Es gibt Ärger auf der Baustelle.
- Bereits geplante Aufträge verschieben sich.
- Unwetter haben Schäden verursacht.
- Ein Mitarbeiter meldet sich ausgerechnet jetzt im Urlaub krank.
Die Liste kann endlos fortgesetzt werden. Und das Ergebnis? Viele Unternehmer werden direkt in den ersten Tagen des Urlaubs schlichtweg krank. Der Grund ist simpel: Im alltäglichen Wahnsinn gibt der Chef permanent Vollgas, hat gar keine Zeit zum Krankwerden, und der Körper funktioniert über den puren Adrenalinspiegel. Im Urlaub fällt dieser Druck schlagartig ab – und das Immunsystem bricht ein.
Wie kommen wir da raus?
Wie macht man es besser?
Wie habe ich den Weg da raus gefunden?
Der wichtigste Hebel ist, dafür zu sorgen, dass die eigene Arbeitsbelastung und die Auslastung des Betriebes über das gesamte Geschäftsjahr fest geplant und sauber eingeteilt sind.
Ein simples Rechenbeispiel: Macht ein Betrieb rund 1,2 Millionen Euro Umsatz und liegt das Volumen pro Auftrag im Schnitt bei 100.000 Euro, sind das gerade mal 12 Aufträge im Jahr. Bei 50.000 Euro sind es 24. Packen wir noch ein paar Reparaturaufträge obendrauf, ist die Auftragsakquise rein theoretisch ein überschaubarer Job.
Die Realität sieht leider anders aus: Es wird jede Anfrage angenommen, die reinkommt. Es werden hunderte Angebote geschrieben – oft für Kunden und Projekte, die den Betrieb nur ausbeuten. Das ist keine kontrollierte Auftragssteuerung, das ist Kontrollverlust.
Was du stattdessen brauchst:
- Einen harten Eingangsfilter: Nicht jede Arbeit wird gemacht. Nur das, was wirklich zu dir passt.
- Bedarfsgerechte Digitalisierung & klare Prozesse: Das Rad muss nicht jeden Tag neu erfunden werden. Abläufe müssen wie auf Schienen laufen – immer gleich, sauber dokumentiert.
- Gesunde Rücklagen: Das bringt die finanzielle Sicherheit, auch mal entspannt durchzuatmen, wenn es brennt.
- Das richtige Mindset & Fundament: Ohne kontinuierliche Weiterbildung, ausreichend erholsamer Schlaf, Sport, gesunde Ernährung und echte Pausen geht es nicht.
- Klare Strukturen im Betrieb: Eindeutige Zuständigkeiten, funktionierende Stellvertreterregelungen und Mitarbeiter mit klaren Stellenbeschreibungen, damit der Laden auch ohne den Chef läuft.
Fazit: Handwerk darf wieder einfach werden
Wer anfängt, die richtigen Dinge zu tun und diese Dinge richtig zu machen, wird verblüfft feststellen, wie einfach die Selbstständigkeit im Handwerk eigentlich sein kann.
Das Problem ist nur: An den Meisterschulen lernen wir das nicht. Deshalb braucht es Menschen, die offen über ihre eigenen Fehler und Erfahrungen sprechen und zeigen, wie der Weg abzukürzen ist.
Es ist absolut keine Schande, wenn es bei dir im Betrieb gerade drunter und drüber geht. Schlimm ist nur, wenn man nichts daran ändert und am Ende die eigene Gesundheit und die Familie den Preis dafür zahlen.
Wenn du wissen möchtest wie es besser geht, nimm gerne mit mir Kontakt auf. Selbstverständlich behandele ich jedes Gespräch absolut vertraulich!